Am Wochenende leuchten die Anhöhen im Bitburger Land: Der Winter wird verbrannt

Der Blick in den Kalender zeigt es an: 6 Wochen vor dem Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond (Ostern) ist es wieder an der Zeit, dass eine alte Tradition des Bitburger Landes abgehalten wird. Das "Hüttenbrennen", "Burgbrennen" oder früher auch als "Fastenfeuer" bezeichnet, findet bereits über Jahrhunderte weg im Eifelraum statt.
Neben noch älteren Bestandteilen, etwa der Meinung, das Fastenfeuer befördere die Saat und halte Blitz und andere Schadenfeuer ab, ein Blick hinein heile die Augen, steuerte fast jedes Jahrhundert sein Teil zum Brauch bei, so Matthias Zender (†, Bonn) im Buch "Das Bitburger Land", 1967. Dem Spätmittelalter gehört der Ausdruck "Burgverbrennen" an, der den üppigen Fastnachtsbelustigungen und dem Schaugepräge des Brüsseler Hofes um 1500 entnommen ist, während der andere oft gebrauchte Ausdruck "die Hütte verbrennen" an die Zeit der Hexenverfolgung erinnert. Das Umschreiten des Feuerstoßes unter Gebet, das Anzünden beim Aveläuten mit gesegneter Kerze u.a. sind Bestandteile, die wohl dem Zeitalter der Gegenreformation mit ihren starken Eingriffen ins Volksleben zu verdanken sind. In der ersten Hälfte des 19. Jh. kam die Meinung hinzu, das Fastenfeuer symbolisiere die Vertreibung des Adels, der Burgherren in der Frz. Revolution. Hier knüpft man wohl an den Ausdruck "Burgverbrennen" an.
Der Wilsecker Lehrer Peter Matthias Schon beschreibt 1887 diesen Brauch wie folgt (im Buch "Das Kyllburger Land", 1977, Karl E. Becker): 'Am Sonntag nach der Fastnacht, "Schöffsonntag" genannt, sammelte die Jugend von Haus zu Haus Stroh, Eier, Mehl und Speck. Das Eingesammelte wurde in dem Hause des Ehemannes, welcher sich zuletzt verheiratete hat, niedergelegt, dann zog die Jugend auf den Malberger Berg, wo das mitgebrachte Stroh um einen Baumstamm, oben in Form eines Kreuzes, befestigt wurde. Der so umwickelte Stamm wurde dann aufgerichtet und beim Läuten der Abendglocke von der Jugend angezündet. Hierauf entblößten alle das Haupt und gingen das "Vaterunser" und das Glaubensbekenntnis betend, um die brennende "Hütte". Man gab besonders auf die Richtung des Windes und der Flammen acht und sagte, woher heute abend der Wind weht, daher weht er den ganzen Vorsommer hindurch. Die mitgebrachten Eier usw. wurden nach gehöriger Zubereitung unter Jubel und Scherz verzehrt. Da am folgenden Morgen regelmäßig mehrere Kinder krank waren, auch sonst Unzuträglichkeiten entstanden, wurde der Aufzug 1886 vom Lehrer verboten.
Wie dem auch sei, heute wird diese uralte Tradition noch in vielen Dörfern des Bitburger Landes aufrechterhalten, sei es von der Dorfjugend, dem Junggesellenverein, von der Freiwilligen Feuerwehr, o.a. Neben der Bewahrung des alten Brauchtums stehen natürlich auch der Spaß und die Geselligkeit mit im Vordergrund. Denn nach getaner Arbeit werden vielerorts (nach alter Sitte) vom zuletzt verheirateten Paar, Eier oder "Nauzen" gebacken und den Mithelfern als Lohn für Ihre Arbeit gereicht. (RSch).

typische Szenen an "Scheefsonndisch" im Bitburger Land: nach getaner Arbeit in Niederweiler
typische Szenen an "Scheefsonndisch" im Bitburger Land: nach getaner Arbeit in Niederweiler
der Neidenbacher Strohmann, Fotos: Archiv VG
der Neidenbacher Strohmann, Fotos: Archiv VG