Die Geschichte der Ortsgemeinde St. Thomas

Der ursprüngliche Name von St. Thomas wird 973 mit Erlesbura erwähnt. Die erste Worthälfte "Erles" geht zurück auf den Personennamen Erlo. Das -bura hat das altdeutsche bur = Haus zum Wortstamm. Der Begriff bur, bauer ist heute noch gebräuchlich in unserem Wort Vogel "bauer" = Vogel-Haus. Im Jahre 1190 heißt es

bereits monasterium s. Thome (Kloster St. Thomas). Im Jahre 1224: S. Thomas. Der Ort ist genannt nach dem Schutzpatron des gegründeten Klosters, des hl. Thomas Becket von Canterbury. Das Ortsbild von St. Thomas wird bestimmt durch die alte, ehemalige Abteikirche der Zisterzienserinnen. Der älteste Bauteil der Abteikirche

wurde 1222 geweiht, nachdem Ludwig von Deudesfeld und seine Frau vor dem Jahre 1185 in der Einsamkeit des Kylltales zu Ehren des 1173 heiliggesprochenen Erzbischofs Thomas Becket ein adeliges Zisterzienserinnenkloster gegründet hatten.

Das eigentliche Abteigebäude - heute Bischöfliches Priesterhaus - ist nach einem Brand, von dem nur die Kirche verschont blieb, 1744 neu aufgebaut worden. In der Abteikirche befinden sich die Grablege der Äbtissinnen und Wohltäter des Klosters. Unter ihnen Agnes von Malberg, die dem Kloster umfangreiche Ländereien in Neidenbach, das zu ihrer Herrschaft gehörte, geschenkt hat. Ihr Grab findet sich vor dem Hochaltar der alten Abteikirche. Kirchenrechtlich ist St. Thomas seit 1947 eine Vikarie, die "Seelsorge versieht der Direktor des Priesterhauses in Personalunion". St. Thomas umfasste um 1800 etwa zehn Stockhäuser. 1806 musste der 19-jährige Peter Schon, er war einer der ersten Lehrer in St. Thomas, zusammen mit einem Jungen aus dem Ortsteil Bruderholz mit den Franzosen in den Krieg ziehen und

ist in der Völkerschlacht 1813 bei Leipzig gefallen. Aus der Schulchronik erfahren wir, dass der Lehrer um 1850 noch den sogenannten Wandertisch hatte, d.h. er ging täglich zu den Eltern eines Schulkindes zum Essen. Verschiedentlich wurde dem Lehrer der Wandertisch versagt. Bürgermeister von Oerthel entschied daher, dass "der Lehrer ins Wirtshaus auf Kosten desjenigen Bürgers gehen könne, der ihm die Kost verweigere." In diesen Jahren kam es vor, dass Kinder zur Strafe in einen Sack gesteckt wurden. Nun kam einmal der Ortsvorsteher Peter Pauli in die Schule, als gerade Margaretha Berens aus Bruderholz im Sacke steckte. Verwundert fragte Pauli: "Was habt ihr denn da für einen Heiligen stehen?" Leider ist die Antwort des Lehrers nicht bekannt. Mit dem 1. August 1969 wird die Volksschule St. Thomas aufgelöst. Die Klassen eins bis vier besuchen die Grundschule Kyllburg in Malberg, die später nach Kyllburg verlegt wird; die Klassen fünf bis neun die Hauptschule St. Maximin in Kyllburg.